Schwimmer der WSF Zweibrücken: „Berlin ist immer etwas Besonderes“ (2023)

Schwimmer der WSF Zweibrücken „Berlin ist immer etwas Besonderes“

Zweibrücken/Berlin · Michael Raje und Lukas Fritzke von den WSF Zweibrücken nehmen ab diesem Dienstag an den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften der Schwimmer in Berlin teil. Der große Saisonhöhepunkt wartet für beide aber rund sechs Wochen später. Dann treten sie bei der Jugend-EM in Belgrad auf den Startblock.

Schwimmer der WSF Zweibrücken: „Berlin ist immer etwas Besonderes“ (1)

Wer in Berlin die Medaillen aus dem Becken fischen will, muss Frühaufsteher sein. Um 5.37 Uhr setzte sich am Montagmorgen am Saarbrücker Hauptbahnhof der Eurocity 217 Richtung Mannheim in Bewegung. Mit an Bord: die Schwimmer Michael Raje und Lukas Fritzke von den Wassersportfreunden (WSF) Zweibrücken. Von Mannheim aus ging es mit dem ICE über Frankfurt und Erfurt weiter in die Hauptstadt. Dort finden von diesem Dienstag bis Samstag die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (DJM) in der Schwimm- und Sprunghalle des Europasportparks statt. Dort treten Fritzke und Raje – beide Jahrgang 2006 – als Bestandteil des zehnköpfigen Aufgebots der SSG Saar Max Ritter an. Auch Nico Braun (Jahrgang 2006) und Leo Ilias Baumann (2008) – ebenfalls von den WSF Zweibrücken – und Niklas Hüther vom SC Homburg sind dabei.

Fritzke und Raje waren vergangenes Jahr zwei der größten Medaillengaranten der SSG. Raje gewann vier Mal Edelmetall, darunter das goldene über 50 Meter Brust. Fritzke belegte zwar keinen ersten Platz, holte aber mit fünf Medaillen noch eine mehr als sein Vereinskollege. Auch diesmal wollen die beiden nicht mit leeren Händen von der DJM zurückkehren – wissen aber, dass die Bedingungen für sie dieses Jahr schwerer sind. Denn die jungen WSF-Schwimmer wurden vom Deutschen Schwimm-Verband (DSV) auch für die Junioren-Europameisterschaft (JEM) vom 4. bis 9. Juli im serbischen Belgrad nominiert. Und das hatte Einfluss auf die Vorbereitung auf die nationalen Titelkämpfe. „Normalerweise fährt man in der Woche vor der DJM die Belastung runter, um dann auf den Punkt seine optimale Leistung bringen zu können. Aber diesmal habe ich mit der JEM im Hinterkopf voll durchgezogen“, erklärt Raje. Und auch Fritzke sagte am vergangenen Samstag: „Für mich war das jetzt fast eine ganz normale Trainingswoche. Es lohnt sich nicht, mit der Belastung deutlich runterzugehen.“

Trotzdem will der Schüler des Saarbrücker Rotenbühlgymnasiums in Berlin mittendrin statt nur dabei sein. „Ich bin gerade ein bisschen kaputt, fühle mich aber grundsätzlich gut. Über die 200 Meter Freistil will ich diesmal Gold gewinnen. Über die 400 Meter Freistil ist meine Meldezeit auch die schnellste. Da habe ich auch Chancen“, sagt Fritzke. Seine fünf Medaillen aus dem Vorjahr wird er allerdings nur schwer toppen können. Neben den beiden Freistil-Strecken startet er nur noch über 400 Meter Lagen und die 1500 Meter Freistil. „Die 800 und die 100 Meter Freistil haben wir rausgenommen“, sagt Fritzke. Respekt hat er vor Leo Ilias Baumann, dem „Vielstarter der Zweibrücker Wassersportfreunde, der an zwölf Rennen teilnimmt. „Das ist in fünf Tagen schon ein hartes Pensum.“

Auch wenn Fritzkes Fokus in diesem Jahr eher auf der JEM in Belgrad liegt, möchte er die nationalen Titelkämpfe auf keinen Fall missen. „Das Feeling in der Halle ist ganz speziell. Du triffst so viele bekannte Gesichter. Es ist einfach eine coole Veranstaltung“, schwärmt Fritzke, der in Berlin vom saarländischen Landestrainer Jan Wolfgarten und Kenny Leidner betreut wird.

Michael Raje reist dagegen mit WSF-Trainer Thomas Schappe an. Auch er sagt: „Berlin ist immer etwas Besonderes. Rund 1400 Schwimmer nehmen teil. Gerade bei den Finalläufen wird die Stimmung toll sein“, prophezeit der Schüler des Zweibrücker Helmholtzgymnasiums. „Und nächstes Jahr nehmen wir ja schon zum letzten Mal teil. Dann sind wir aus der Jugend raus.“ Er nimmt in Berlin an sechs Rennen teil (50 und 100 Brust, 50 und 100 Meter Freistil sowie 50 und 100 Meter Schmetterling). Seinen Titel über 50 Meter Brust würde er natürlich gerne verteidigen. „Es ist aber nicht leicht einzuschätzen, wie die Chancen stehen“, meint er. Denn der Fokus liege bei ihm aktuell auf den 100 Metern Freistil – jener Strecke, über die er bei der Jugend-EM qualifiziert ist. Bei den Berlin Swim Open Anfang Mai hatte er die Norm für Belgrad (50,55 Sekunden) um sechs Hundertstel unterboten. „Das war befreiend. Du schlägst an, schaust auf deine Zeit, hoffst, dass du nicht disqualifiziert wurdest – und dann fällt der ganze Druck ab. Es war pure Freude“, beschreibt Raje den Moment, in dem er sah, dass die Qualifikation für die Jugend-EM geschafft ist.

Schwimmer der WSF Zweibrücken: „Berlin ist immer etwas Besonderes“ (2)

Dass er dort teilnehmen darf, hält er für die persönliche Entwicklung von unschätzbarem Wert. „Ich glaube, viele junge Schwimmer fokussieren sich zu sehr auf Ergebnisse in ihren Altersklassen. Und wenn sie aus der Jugend raus sind und mit den Aktiven schwimmen, kommt die große Überraschung. Nach einer Veranstaltung wie der JEM weiß man, wo man wirklich steht. Dann arbeitet man weiter hart und verschwendet keinen Gedanken daran, sich auszuruhen.“ Raje spricht aus Erfahrung. Bei den Europäischen Olympischen Jugendspielen in der Slowakei sammelte er vergangenes Jahr schon Erfahrungen auf höchstem Nachwuchsniveau.

Die kann auch Lukas Fritzke vorweisen, der 2021 an der Junioren-EM der Freiwasserschwimmer in Paris teilnahm. In Belgrad wird er gleich über drei Distanzen ins Rennen gehen. Über 200, 400 und 800 Meter Freistil.

Die Qualifikation bezeichnet er als „Zeichen dafür, dass sich die ganze harte Arbeit gelohnt hat. Ich war diese Saison öfter krank, mal drei Tage, mal vier Tage, mal eine Woche. Dass es trotzdem geklappt hat, macht mich megahappy.“ Die Jugend-EM sieht auch er vornehmlich unter dem Aspekt der Entwicklung. „Selbst wenn nach den Vorläufen Schluss ist – die Erfahrung kann einem keiner mehr nehmen.“

Zur erweiterten europäischen Jugendspitze gehören die beiden bereits. Kommt dann auch mal der Gedanke auf, mit dem Sport in Zukunft sein Geld zu verdienen?

„In Deutschland ist das schwer, da fallen alle Sportarten neben Fußball ein bisschen runter. Da würde es wohl nur mit Sponsoren gehen. In den USA beispielsweise ist es leichter“, weiß Raje. „Aber ich lasse das alles auf mich zukommen und werde nach dem Abitur erstmal studieren. Auf Lehramt“, ergänzt der Elftklässler. Das erste Fach sei – natürlich – Sport, erklärt er lachend. Und daneben. „Erkunde vielleicht. Oder Biologie.“

Und Lukas Fritzke? „Ich spiele mit dem Gedanken, Schwimmen in der Sportfördergruppe der Bundeswehr oder der Polizei zu betreiben. Und nebenbei zu studieren. Einen genauen Plan gibt es aber noch nicht. „Eine Jugend-WM oder eine U23-EM würde ich auf jeden Fall gerne noch erleben.“

All das ist aber noch Zukunftsmusik. Erstmal wollen sich Michael Raje und Lukas Fritzke ab diesem Dienstag bei der DJM in Berlin hellwach präsentieren. Das sollte für die beiden Frühaufsteher der WSF Zweibrücken aber doch sicher kein großes Problem sein.

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Author: Dan Stracke

Last Updated: 23/05/2023

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